Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat im Auftrag der Bertelsmann Stiftung berechnet, dass eine Abschaffung der abschlagsfreien Rente für besonders langjährig Versicherte erhebliche finanzielle Einsparungen brächte. Zugleich würden dem Arbeitsmarkt zusätzlich rund 125.000 Vollzeitkräfte zur Verfügung stehen. Die sogenannte "Rente mit 63" ermöglicht es Beschäftigten nach 45 Beitragsjahren, vorzeitig ohne Abschläge in den Ruhestand zu gehen. Nach Angaben der Stiftung nutzen etwa 250.000 bis 280.000 Erwerbstätige diese Regelung jedes Jahr.

Die Modellrechnung für den Rentnerjahrgang 1957 zeigt, dass die gesetzliche Rentenversicherung um rund 10,4 Milliarden Euro entlastet werden könnte. Die Forscher gehen davon aus, dass Betroffene ihren Renteneintritt ohne diese Option im Durchschnitt um zehn Monate verschieben würden. Dem stünden allerdings Mindereinnahmen bei Steuern und Sozialabgaben von zusammen rund 900 Millionen Euro gegenüber.

Entgegen weit verbreiteter Annahmen wird die abschlagsfreie Frührente nicht primär von Menschen in körperlich anstrengenden Berufen genutzt. Vielmehr sind Personen mit langen und stabilen Erwerbsbiografien sowie überdurchschnittlich hohen Rentenansprüchen die Hauptnutzer der Regelung. Die Studienautoren sehen in einer längeren Beschäftigung erfahrener, gut qualifizierter Arbeitskräfte großen wirtschaftlichen Nutzen.

Eine pauschale Abschaffung sehen die Fachleute allerdings kritisch, da sie Personen mit eingeschränkter Erwerbsfähigkeit hart treffen würde. Sie schlagen stattdessen Ausnahmeregelungen vor, etwa eine individuelle Gesundheitsprüfung oder eine Berücksichtigung des Einkommens. Zudem betonen die Experten die Notwendigkeit von Investitionen in Weiterbildung und gesunde Arbeitsbedingungen, um längeres Arbeiten für mehr Menschen zu ermöglichen.